Leitfaden zu Named Entity Recognition (NER): Grundlagen & Methoden

Letzte Aktualisierung:

January 10, 2026

5 Minuten

Named Entity Recognition (NER) ermöglicht es, wichtige Informationen in einem Text, wie Namen, Daten oder Beträge, automatisch zu identifizieren. Erfahren Sie, wie es funktioniert und warum es in Projekten zur Dokumentenautomatisierung unverzichtbar geworden ist.

NER erklärt: Wie Sie Informationen aus Texten extrahieren und strukturieren. Nutzen Sie KI für Ihre Daten.

NER - Beispielgrafik zur automatischen Erkennung von Entitäten in Dokumenten durch KI.

Was ist Named Entity Recognition (NER)?

Named Entity Recognition (NER), oder auf Deutsch Erkennung benannter Entitäten, ist eine Technologie aus dem Bereich der automatischen Sprachverarbeitung (NLP).

Sie dient dazu, in einem Fließtext automatisch Schlüsselbegriffe zu identifizieren, wie zum Beispiel:

  • Personennamen
  • geografische Orte
  • Daten
  • finanzielle Beträge, Prozentsätze, Mengen usw.
  • Organisationen
  • oder auch Maßeinheiten.

Das Ziel: unstrukturierte Texte in maschinenlesbare Daten umzuwandeln.

NER funktioniert in zwei Hauptschritten:

  • Erkennung der Entitäten: Identifikation bestimmter Wörter oder Ausdrücke im Text.
  • Klassifikation: Zuordnung jeder erkannten Entität zu einer Kategorie (Person, Ort, Organisation usw.).

Frühe NER-Systeme basierten auf einfachen Regeln oder Fuzzy Matching, bei dem Zeichenketten mit Referenzlisten verglichen werden, wobei kleine Unterschiede (Akzente, Tippfehler, Abkürzungen) toleriert werden.

Diese Ansätze waren in einfachen Fällen nützlich, aber nicht robust genug für komplexe oder verrauschte Kontexte. Heute nutzen moderne Systeme Deep Learning und semantische Embeddings für deutlich präzisere Ergebnisse.

Wie funktioniert NER?

Der NER-Prozess folgt mehreren strukturierten Schritten, die linguistische, statistische und Machine-Learning-Methoden kombinieren:

1. Tokenisierung

Zuerst wird der Text in Tokens zerlegt – also Wörter, Satzzeichen, Zahlen usw. Diese Segmentierung ist die Grundlage für die weitere Analyse.

2. Identifikation von Entitäten

Hier werden Wortgruppen erkannt, die potenziell Entitäten darstellen. Das System nutzt:

  • Linguistische Merkmale wie Großschreibung oder Satzposition,
  • Kontextuelle Hinweise (z. B. Daten nach „im Jahr“),
  • Lexikalische Ressourcen wie Städte- oder Unternehmenslisten.

3. Klassifizierung

Die erkannten Segmente werden mithilfe eines trainierten Modells in Kategorien eingeteilt (Person, Ort, Organisation usw.).

Hier kommen Algorithmen wie CRF (Conditional Random Fields) oder neuronale Netze zum Einsatz.

4. Kontextanalyse

Der Kontext ist entscheidend, um Mehrdeutigkeiten zu vermeiden. Ein Wort kann je nach Satzbedeutung unterschiedliche Entitäten bezeichnen.

Moderne Modelle wie BERT oder RoBERTa berücksichtigen den gesamten Satzkontext und verbessern so die Disambiguierung.

5. Nachbearbeitung

Am Ende erfolgt eine Verfeinerung der Ergebnisse:

  • Zusammenführen mehrwortiger Entitäten („San Francisco“),
  • Bereinigung von Duplikaten,
  • Validierung mit externen Datenbanken oder Regeln.

Das Ergebnis kann strukturiert (z. B. als JSON oder XML) exportiert werden – ideal für ERP-, CRM- oder Analyse-Systeme.

Die wichtigsten Ansätze im NER

1. Regelbasierte Methoden

Diese Systeme verwenden vordefinierte linguistische Regeln und Muster:

  • Reguläre Ausdrücke (z. B. für Telefonnummern oder Datumsformate),
  • Lexika / Gazetteers mit Listen von Namen, Orten oder Organisationen,
  • Syntaxregeln, z. B. Großschreibung nach „Herr“ → Person.

2. Machine-Learning-Methoden

Hier lernt das Modell anhand annotierter Texte, Entitäten zu erkennen.

  • Das System analysiert Merkmale wie Groß-/Kleinschreibung, Suffixe, Satzkontext, Wortarten usw.
  • Häufig genutzte Algorithmen: CRF, SVM, Entscheidungsbäume.

3. Deep Learning

Neuronale Netze haben NER stark verbessert. Sie lernen direkt aus unstrukturiertem Text:

  • RNN- und LSTM-Modelle berücksichtigen Wortreihenfolgen und Langzeitbeziehungen,
  • Transformermodelle wie BERT nutzen den vollständigen Kontext, um Entitäten präzise zuzuordnen („Apple“ als Firma oder Frucht).

4. Hybride Ansätze

Viele Systeme kombinieren mehrere Methoden:

  • Regelbasierte Vorverarbeitung zur Erkennung einfacher Entitäten,
  • anschließend Deep-Learning-Modelle für komplexe Kontexte.

Neuere hybride Systeme kombinieren semantische Embeddings mit Fuzzy Matching, um Ähnlichkeiten auch bei leicht abweichenden Schreibweisen zu erkennen.

Wichtige Anwendungsfälle von NER

  • Automatische Extraktion relevanter Informationen aus großen Textmengen,
  • Umwandlung unstrukturierter Texte in strukturierte Daten,
  • Trenderkennung und Überwachung schwacher Signale,
  • Fehlerreduzierung in Analyse- und Prüfprozessen,
  • Effizienzsteigerung in Recht, Finanzen, Medizin usw.

Bewährte Praktiken für die Implementierung

SchrittEmpfohlene Best PracticesDatenaufbereitungTextbereinigung, Normalisierung, repräsentative AnnotationModellauswahlEinfache Modelle (CRF, SVM) für kleine Aufgaben, BERT/LSTM für komplexeTransfer LearningVortrainierte Modelle (BERT, Flair) feinjustierenFachspezifische AnpassungEigene Wörterbücher, Kombination aus Regeln und KIMehrsprachigkeitMultilinguale oder sprachspezifische Modelle nutzenSicherheitOn-Premise-Deployment, regelmäßige AuditsEinbindung von ExpertenNo-Code-Annotationstools, kontinuierliches Monitoring

Wichtige Tools und Bibliotheken

Für schnelle Integration oder maßgeschneiderte Projekte eignen sich Open-Source-Bibliotheken oder Cloud-APIs.

Open-Source-Bibliotheken

  • spaCy: Schnell, produktionsreif, mit vortrainierten NER-Modellen.
  • Flair: Multilingual, kombiniert BERT & ELMo für höhere Genauigkeit.
  • Stanford CoreNLP: Präzise, akademisch erprobt, für Java/Python verfügbar.

Cloud-APIs

  • Google Cloud Natural Language API: Erkennung + Kategorisierung + Syntaxanalyse.
  • Amazon Comprehend: NER im AWS-Ökosystem, leicht integrierbar.
  • IBM Watson NLU: Erweiterte Analysen (Emotion, Konzepte, Beziehungen).

Herausforderungen beim NER

  • Mehrdeutigkeit: „Amazon“ = Firma oder Fluss; „Orange“ = Farbe, Frucht oder Marke.
  • Kontextabhängigkeit: Bedeutung hängt von Satzstruktur ab („Renault“ = Unternehmen oder Rennteam).
  • Mehrsprachigkeit: Syntax- und Formatunterschiede zwischen Sprachen.
  • Begrenzte Trainingsdaten: Besonders in Fachdomänen wie Medizin oder Recht.
  • Bias & Fehleranfälligkeit: Modelle übernehmen Verzerrungen aus Trainingsdaten.

Von der Entitätserkennung zur intelligenten Datenerfassung

NER ist heute ein Kernbestandteil moderner Intelligent Document Processing (IDP)-Lösungen.

Beispiel: Intelligente OCR-Systeme wie Koncile kombinieren Computer Vision, NLP und NER, um strukturierte Geschäftsdaten automatisch zu extrahieren.

  • Rechnungen: Beträge, Lieferanten, Tabellenzeilen
  • Verträge: Klauseln, Daten, Unterschriften
  • Lohnabrechnungen: Brutto/Netto, Beiträge
  • Adressnachweise, Kontoauszüge usw.

Koncile verbindet präzise OCR, kontextuelle Feldextraktion und API-Integration, um Daten in Formaten wie JSON oder Excel bereitzustellen – sofort nutzbar in ERP- oder Buchhaltungssystemen.

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Author and Co-Founder at Koncile
Jules Ratier

Mitbegründer von Koncile - Verwandeln Sie jedes Dokument mit LLM in strukturierte Daten - jules@koncile.ai

Jules leitet die Produktentwicklung bei Koncile und konzentriert sich darauf, wie unstrukturierte Dokumente in Geschäftswert umgewandelt werden können.

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